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Kultur / Mainz City

CrazyMusicSchool - 20. April 2017 um 08:52

Was man nicht sehen kann, gibt es nicht

AD(H)S eine neurologische Krankheit die man nicht sehen aber ihre Auswirkung wohl spüren kann. Betroffene leiden seid Jahrzehnten unter der negativen Darstellung der Krankheit in den Medien.

ADS steht für den Begriff "Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom".

Dr.med. Elisabeth Aust-Claus schreibt in ihrem Buch "Das ADS Buch": ADS ist eine Störung mit neurobiologischen Besonderheiten in den Informations- Verarbeitungs-Prozessen unseres Gehirns.

Szene aus dem Struwwelpeter
Szene aus dem Struwwelpeter

Diese Störung lässt sich beschreiben durch leichte Ablenkbarkeit, Unaufmerksamkeit, niedriger Toleranz für Frustrationen, Impulsivität, Aktivitäsüberschuss oder Verträumtheit.

Die Hyperaktivitäts Problematik kann, muss aber nicht unbedingt gleichzeitig mit auftreten. Diese hat auch nichts mit der Grundproblematik zu tun.

ADS ist keine Modekrankheit, mit der man alle "Unarten von Kindern" erklärt, sondern eine Störung, die gut diagnostiziert und therapiert werden kann.

Nur zur Information vorab. ADS ist nicht heilbar, man kann aber durch eine gute, konsequente und liebevolle Erziehung in Begleitung von Therapien, den Kindern helfen und sie auf das Erwachsen werden vorbereiten, damit sie dann allein mit dieser Problematik klar zu kommen.

ADS Kinder sind in vielen Augen der Gesellschaft anstrengende Kinder. Oft werden diese ausgegrenzt, einfach weil sie anders sind, aber diese Kinder sind oft intelligent, clever, kreativ und witzig.

Nicht alle Probleme sind mit ADS zu erklären, aber alle die, die mit Kindern arbeiten und zu tun haben, sollten die Diagnose ADS kennen, um ihnen effektive Hilfestellung leisten zu können.

Seit dem Erscheinen des Buches "Der Struwwelpeter" 1847 von dem Nervenarzt Dr.Hofmann haben wir vieles dazugelernt und erforscht.

Allein schon an der Jahreszahl kann man durchaus erkennen, das ADS keine Modeerscheinung ist.

Schon damals wurde von Wissenschaftlern auf diesem Gebiet geforscht. Durch die moderne Medizin konnten aber erst in den vergangenen Jahren in der Hirnforschung richtig gute Resultate erzielt werden.

Was genau passiert bei einem Menschen mit ADS im Gehirn oder auch nicht?

In den Gehirnabschnitten, die für die Konzentration, Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind, ist das notwendige Gleichgewicht wichtiger Botenstoffe gestört. Diese sogenannten Neurotransmitter sind maßgeblich für die Informationsverarbeitung ankommender Reize verantwortlich.

Eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung von einer Nervenzelle zur anderen spielen die beiden Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin.

Bei einer ADS Erkrankung, steht Dopamin zwischen zwei Nervenzellen, dem sogenannten Synaptischen Spalt, nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Dadurch werden Reize nur schlecht gefiltert. Betroffene leiden deswegen an einer permanenten Reizüberflutung im Gehirn. Man nennt das auch liebevoll. " Chaos im Kopf".

ADS ist durchaus erblich. Es ist Wissenschaftlich erwiesen, dass Eltern die selbst an ADS erkrankt sind, dass durchaus an ihre leiblichen Kinder weitergeben können. Etwa 35 % aller Kinder die an ADS erkrankt sind, haben einen Verwandten ersten Grades, der ebenfalls an dieser Störung leidet.

Kommen wir zu den 10 wichtigsten Symptomen bei ADS.

1. Unaufmerksam und ablenkbar

2. Hyperaktiv und/oder verträumt

3. Impulsiv

4. Vergesslich und schlechtes Kurzzeitgedächtnis

5. Wirkt zerstreut und chaotisch

6. Regeln einhalten - eine der schwersten Aufgaben

7. Arbeitsverhalten lässt zu wünschen übrig

8. Stimmungslabil: Berg- und Tal- Fahrt der Emotionen

8. Selbstwertgefühl im Keller

10. Sozialverhalten- oft eine Katastrophe

Weitere Symptome können sein:

1. Lern- Entwicklungs- Probleme

2. Wahrnehmungs- Verarbeitungs- Störung

3. Auffällige Körper- Wahrnehmung

4. Auffällige Hör- Wahrnehmung

Wie wird ADS diagnostiziert?

Nun, im allerersten Gespräch wird die komplette Lebensgeschichte des Kindes dargestellt.

Das Verhalten in bestimmten Situation wird erfragt.

Wichtig sind die "Wie und Wann" Entwicklungsschritte des Kindes. Arbeitsstrategien beim Lösen von Aufgaben zu wissen ist wichtig.

Dazu kommen das Ergebnis- Profil der psychologischen Testung wie auch die neurobiologischen und körperlichen Untersuchungen.

Zu guter letzt: die neurophysiologische Untersuchung und Messung der elektrischen Hirnaktivität und der evozuiierten Potentiale.

Es ist für Eltern und Kinder ein langer Weg bis die Diagnose ADS tatsächlich gestellt wird. Ist die Diagnose dann aber da, kann man mit den Therapien begonnen werden.

Hier ist es ganz wichtig, dass auch die Eltern speziell geschult werden. In Elterntrainings, Einzelgesprächen, Selbsthilfegruppen und Symposien wie auch in Vorträgen kann man alles über diese Störung lernen um so seinem Kind die bestmögliche Hilfestellung geben zu können.

Müssen Medikamente wirklich sein?

Viele Betroffene brauchen einfach beides. Therapien und Medikamente. Dies gut abgestimmt und in der richtigen Reihenfolge.

Die Medikamente ersetzen, wie Anfangs schon erwähnt, die fehlenden oder unzureichenden Botenstoffe, wie Dopamin und Noradrenalin um die Information ungehindert weiter transportieren zu können. Sie wirken einfach als Überträgerstoffe in verschiedene Zentren und Nervenverbänden (front-striatal-thalamisches Netzwerk), die unsere Informationsaufnahme steuern. Sie sortieren die Informationen einfach in die dafür vorgesehenen Arbeitsspeicher.

Letzte, aber wichtige Frage.

Sind diese Medikamente Beruhigungsmittel?

Völlig Falsch!!!!!

Richtige Beruhigungsmittel bewirken bei Menschen mit der ADS Störung das totale Gegenteil. Sie würden dadurch nur noch aufgedrehter und flippiger werden.

Betroffene werden mit Stimulantien behandelt. Für andere Menschen ohne ADS, wären das Aufputschmittel. Bei ADS Patienten wirken diese allerdings ganz anders, aufgrund der Besonderheiten im Neurotransmitter- System.

Die Kinder werden wacher, aufnahmebereiter, ruhiger und können sich viel besser auf ihre Umgebung einstellen und sie mitgestalten.


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Beruf: Musikpädagogin
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Ich heiße Angelika Schneider-Funk und bin Inhaberin der Musikschule "Crazy-Music-School" in Immesheim. Ich beschäftige mich neben dem Unterricht damit, welche therapeutische Funktion Musik bei uns Menschen übernehmen kann. Da ich mich auf das Fachgebiet "Musikerziehung für Kinder mit AD(H)S und LRS" spezialisiert habe, ist das für mich immer wieder eine wichtige und interessante Frage. Ich selbst spiele Akkordeon, Klavier und E-Bass und singe in dem gemischten und modernen Chor "Los Sabados Cantados". Die Musik ist für mich eine reine Erfüllung und ich gehe völlig in ihr auf. www.crazy-music-school.de ”

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