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Dies & Das / Gonsenheim

Rüdiger Wrobbel - 10. November 2017 um 08:28

K r ä h e n g e f l ü s t e r

Geheimnisvolle Kommunikation unter Vögeln? Ein paar gesammelte Beobachtungen und ein bisschen ausschweifende Phantasie über unsere gefiederten Freunde.

„Weißt du noch“, räusperte sich die Krähendame, „gestern auf der großen Wiese vor dem Hochhaus? Klitschnass sind wir geworden im Regen. Aber zum Futtern gab es reichlich.“ „Ja“, antwortete der Krähenmann, „die Regenwürmer waren zwar etwas wässrig, aber mehr als man essen konnte.

Da plaudern unsere gefiederten Freunde.
Da plaudern unsere gefiederten Freunde.

Was ich aber noch sagen wollte: Meinst du nicht, dass du mit unserem letzten Nachwuchs zu nachsichtig warst?

Die sind sehr spät flügge geworden.“

Das Krähenpärchen hockt seit 20 Minuten auf der Sprosse eines Baugerüstes. Ist es das, was Krähen so miteinander reden auf ihre Art? Wie alle Rabenvögel leben sie monogam. Sie finden sich als Jungvögel und bleiben sich treu bis dass der Tod sie scheidet, gehen gemeinsam auf Futtersuche und ziehen ihre Nachkommen groß. Dabei sind sie auch noch sehr fürsorgliche Eltern. Das mit den wörtlich und sprichwörtlich schlechten „Rabeneltern“ ist, mal neudeutsch ausgedrückt, eine fake-news.

Und sie sind intelligent. Sie nutzen Werkzeuge und finden kreative Lösungen für Problemstellungen. Einer Krähe wurde in einem Test eine Nuss präsentiert, die in einem schmalen Glasrohr im Wasser schwamm, tief genug, dass sie nicht mit dem Schnabel erreichbar war. Zielsicher nahm sie bereitliegende Steinchen und ließ diese ins Glas fallen um den Wasserstand zu erhöhen und dadurch die Nuss zu erreichen. Die ebenfalls daliegenden Korkstücke ließ sie außer Acht, da sie ebenfalls obenauf geschwommen wären. Ebenfalls erstaunlich, was man bei einem in Freiheit lebenden Rabenvogel beobachten konnte. Er nutzte den Straßenverkehr, um seine Nüsse zu knacken; ließ sie auf einer vielbefahrenen Straße auf den Zebrastreifen einer Ampel fallen, die Autos darüberfahren und wartete dann die Grünphase ab um mit den Fußgängern die Straße zu betreten und die Nüsse zu verzehren. Darüber hinaus konnte man bald feststellen, dass die Vögel ihr Wissen nicht für sich behielten. Sie gaben es nicht nur an ihre Nachkommen, sondern auch an andere Artgenossen weiter. Was an dieser Stelle erprobt wurde, war schon bald landesweit gängige Praxis.

Ja und wenn der Bauch voll, und wenn gerade kein Jungvolk zu versorgen ist, dann darf’s auch mal ein bisschen Spaß sein. So mancher Mensch hat sich schon vergeblich umgesehen, wer ihm so unverschämt nachpfeift. Im Gebüsch hockte dann ganz sicher so ein grinsender Rabenvogel. Eine Krähe ließ sich bei einem besonderen Winterspaß filmen. Sie hatte das abgebrochene Stück einer Kinderschaufel gefunden, das sie auf ein verschneites Hausdach transportierte. Immer wieder setzte sie sich darauf und gönnte sich eine kleine Rutschpartie.

Was also geht in diesem Krähenpaar vor, das da oben schon so lange auf dem Gerüst sitzt. Beraten sie den morgigen Speiseplan? Amüsieren sie sich über die Tollpatschigkeit ihres letzten Nachwuchses? Oder rätseln sie gar über dieses große Lebewesen Mensch, wie das wohl ohne Schnabel seine Nahrung sucht?

Schön, dass es noch solche kleinen Rätsel des Lebens gibt, die wir vermutlich niemals lösen werden. Damit die Phantasie ihre Flügel behält.

Rüdiger Wrobbel

Fotos: Rüdiger Wrobbel


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Rubrik: Dies & Das
Ort: Gonsenheim
Tags: Krähen Raben Tierbeobachtung Rabeneltern Vögel Vogelgezwitscher


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Rüdiger Wrobbel
Rüdiger Wrobbel
Standort: Gonsenheim
Beruf: Beamter i.R.
Anzahl Artikel: 81
Ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtteiltreff und des Flüchtlingsnetzwerkes "Miteinander-Gonsenheim", ehrenamtlich Fotograf und Mitglied der ELSA-Redaktion. 2 feste Kolumnen,"Elsa-Animale" und "Else sieht die Welt". Texte oft satirisch. Aber auch Politik, Sport, Musik und Gesellschaft. Fotografieren auch als Hobby, am Liebsten Natur. Eine Ausstellung bisher. ”

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