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Kultur / Gonsenheim

Rüdiger Wrobbel - 19. September 2017 um 08:20

Steppenrelikt und Asphaltschlange

Es ist im Mainzer Sand schon kein leichtes Unterfangen, die Bedrohungen aus der Natur selbst abzumildern. Die durch den Menschen verursachten Bedrohungen lassen sich nur mildern durch Nachdenken, ob es für die eine oder die andere Maßnahme langfristig nicht alternative Lösungen gibt. Manche sagen, gute Lobbyarbeit zeichnet sich dadurch aus, den Verantwortlichen jeden Anreiz zum Nachdenken zu nehmen.

Auch wenn man von allen guten Geistern verlassen ist, schließlich folgt jetzt auch die Landesregierung dem so unchristlich umweltfremden Bundesminister für Verkehr, oder besser gerade deshalb ist es wichtig, immer wieder auf die Bedeutung und Einzigartigkeit des Großen Sandes in Mainz-Gonsenheim hinzuweisen.

Kugelkopflauch
Kugelkopflauch

Erfreulich viele Naturinteressierte nahmen denn auch das Angebot des Vereins „Gonskultur“ wahr, unter Führung von Dr.

Ralf Omlor, wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens, eines der wertvollsten Steppenrelikte Mitteleuropas zu erkunden, eine einzigartige Pflanzenvielfalt. Es ist dem Großen Sand zu danken, dass von den 3500 Pflanzenarten Deutschlands allein in Mainz 1500 beherbergt werden. Eine davon, der Sand-Lotwurz, wächst in Deutschland nur in Mainz. Auch die Bisamdistel ist aufgrund ihrer Seltenheit europaweit geschützt. Besonders geschützt ebenfalls der Feld-Mannstreu, die Sand-Radmelde galt lange Zeit gar als verschollen.Vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet sind unter anderem auch die Rote Schwarzwurzel, der Braunrote Stendelwurz, Büschel-Gipskraut, Kegelfrüchtiges Leimkraut, Gewöhnliches Nadelröschen und das Frühlings-Adonisröschen, das hier sein westlichstes Vorkommen hat.

Aber es ist eine Sisyphusarbeit, dieses Relikt zu erhalten. 1939 wurde der erste Teil des Sandes zum Naturschutzgebiet erklärt, in Teilen wurde in Folge Obstanbau betrieben, Teile wurden bebaut und 1966 erwuchs dem Großen Sand durch den Bau der A 643 eine übermächtige Bedrohung. Abgase und die Zerschneidung in zwei Teile machen ihm zu schaffen. Nicht nur der Steppenroller hat ein Problem, die Teilung zu überwinden. Eine Verbreiterung der Autobahn wird es ihm und dem ganzen Mainzer Sand nicht leichter machen. Der Bau von Lärmschutzwänden erst recht nicht, zumal man diese unsinnig nennen darf, weil sie für die Hochhauswohnungen in der Umgebung eher lärmverstärkend wirken. Danken wir also den Naturschützern und unterstützen wir sie, damit dieses Juwel der Natur den Bedrohungen möglichst lange standhält.

Und eine Bitte an die Hundebesitzer, durch die Notdurft der Vierbeiner nicht noch mehr Stickstoffbelastung in das Gebiet einzubringen.

Rüdiger Wrobbel

Fotos: Rüdiger Wrobbel


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Rubrik: Kultur
Ort: Gonsenheim
Tags: Mainzer Sand Naturschutzgebiet Eiszeitrelikt Gonskultur Ralf Omlor Sand-Lotwurz Bisamdistel Radmelde Salzkraut Haarfedergras Steppenroller Kugelkopflauch Steppenhexe Silbergras Berghaarstrang Feldmannstreu Mauerpfeffer Sandstrohblume Lieschgras Sommerwurz


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Rüdiger Wrobbel
Rüdiger Wrobbel
Standort: Gonsenheim
Beruf: Beamter i.R.
Anzahl Artikel: 82
Ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtteiltreff und des Flüchtlingsnetzwerkes "Miteinander-Gonsenheim", ehrenamtlich Fotograf und Mitglied der ELSA-Redaktion. 2 feste Kolumnen,"Elsa-Animale" und "Else sieht die Welt". Texte oft satirisch. Aber auch Politik, Sport, Musik und Gesellschaft. Fotografieren auch als Hobby, am Liebsten Natur. Eine Ausstellung bisher. ”

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