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Kultur / Gonsenheim

Rüdiger Wrobbel - 07. Januar 2017 um 07:51

Eiswelt - Vergängliche Kunst

Warm anziehen muss man sich schon, wenn man die glitzernde Welt bei -8° genießen will, aber es lohnt sich. (Oder lohnte sich, denn am 15. Januar schließen die Tore) 26.11.2016 - 15.01.2017 So - Mi 10 - 18 Uhr Do - Sa 10 - 21 Uhr

Warm ist anders. Eisige minus 8° schlagen den Besuchern entgegen, wenn sie die Ausstellung „Eiswelt Mainz“ betreten. Das ist aber augenblicklich vergessen, weil man sofort in Bann gezogen wird von der faszinierenden eisigen Pracht, wie eine kristallene Landschaft von Swarovski.

Eiszeit, Mainzer Dom
Eiszeit, Mainzer Dom

Vom 26.

November 2016 bis zum 15. Januar 2017 waren die Eis- und Schneeskulpturen im „Alten Postlager“ zu bewundern in einer der weltweit größten Ausstellung dieser Art.

Diese vergängliche Kunst muss vor Ort geschaffen werden. Dazu wurden je 200 Tonnen Schnee und Eis zum Teil in Lettland hergestellt und nach Mainz geliefert, und die Künstler von „Skulptura Projekts“ konnten sich bei Eiseskälte ans Werk machen. 21 der weltbesten Carver, darunter Weltmeister, waren eingeladen. Beeindruckend schon die Auswahl der Werkzeuge. Mit Kettensägen, Hacken und Meißel ging es erst an die groben Konturen, mit immer kleiner werdenden Meißeln für die feinen Details, Schleifmaschinen und Dampfbügeleisen für den prächtigen Glanz, und Feinarbeiten mit Strohhalmen und Pinsel. So war dann auch beim großen Lebkuchenhaus jedes kleinste Detail filigran herausgearbeitet. Oder beim Adventskalender.

Vom Adventskalender wird man empfangen, wenn man die Ausstellung betritt, der gibt aber schon den Blick auf Sankt Nikolaus und Krampus frei, den Einen für das Belohnen der braven, den Anderen für das Bestrafen der unartigen. Von dort ein Katzensprung zum Weihnachtsmarkt, gleich neben dem Dom der Glühweinstand. Sehr eisig, sowohl der Gast, als auch die Bedienung. Daneben alte deutsche Volkskunst, die große Weihnachtspyramide und der Torbogen aus Weihnachtskränzen. – Wussten Sie, dass der Adventskranz ursprünglich ein Wagenrad mit 28 Kerzen war, 24 kleine und 4 große? Der Theologe Johann Hinrich Wichern, Leiter des „Rauen Hauses“, einem Kinderheim, hatte die Idee, den Kindern damit die Wartezeit auf das Fest zu erleichtern. Als der Kranz später die Wohnzimmer eroberte, wurde er kleiner, weil niemand ein so großes Zimmer hatte und bekam nur noch 4 Kerzen für die Adventssonntage. –

Geht man durch den Weihnachtskranz, kommt man zum „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ aus dem ergreifenden Märchen von Hans Christian Andersen. Zeit sich ein paar Gedanken zu machen, ob wir im Konsumrausch das Wesentliche noch im Blickfeld haben. Dann aber ab in die Werkstatt des Weihnachtsmannes. Da arbeiten Weihnachtselfen, Kobolde und Wichtel das ganze Jahr daran, die Geschenke für die Kinder herzustellen, die dann unter dem Weihnachtsbaum liegen, der hier einen überragenden Platz einnimmt. Als nächstes lädt der Rentierschlitten des Weihnachtsmannes zu einem Foto ein; Platz nehmen auf der eisernen Bank. – Ja, der Weihnachtsmann. Wenn man nur die rund 378 Millionen christlich getauften Kinder rechnet, hat der am Weihnachtstag gut 822 Besuche pro Sekunde, das heißt für Fahrt, Einparken, Schornstein runter, Geschenke verteilen und rausklettern knapp 1/1000stel Sekunde pro Kind. Läuft bei ihm. – Aber weiter in der Ausstellung. Da kommt man zu „Scrooge“ aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“. Eine wunderbare Geschichte, die zum Nachdenken anregt, aber zum wahren Wunder, zur richtigen Weihnachtsgeschichte kommt es als nächstes. Der Stall zu Bethlehem, das Jesuskind in der Krippe, oder nein, kein Stall, die Künstler haben dafür den Mainzer Dom nachgestaltet.

Und wenn man schon bei Mainz ist, kommen jetzt die Mainzelmännchen, ursprünglich vom Grafiker Wolf Gerlach erfunden für die Werbepausen im Fernsehen, sind sie jetzt fast so etwas wie Mainzer Ehrenbürger: Oberbürgermeister Michael Ebling verlieh ihnen 2013 die „Mainzelmännchen Ehrenwürde“. Und wenn man die Mainzels fragt, warum sie so unterkühlt sind, zeigen sie auf den Thron von „Väterchen Frost“ den graublauen Gesellen, der in Russland zu Silvester die Kinder beschenkt.

Wie ein Wächter baut sich der mächtige Schneemann vor den Lebkuchenmännern und dem Lebkuchenhaus auf. Ein prächtiges Haus, jeder glitzernde Lebkuchen kunstvoll gestaltet, gibt den Weg frei zum Mäusekönig, daneben fletscht ein großer Nussknacker die Zähne. Zum Abschluss wird’s dann richtig määnzerisch. Mit dem Till und dem Bajazz mit der Laterne wird die Mainzer politisch-literarische Fassenacht gewürdigt.

Und weil man die Ausstellung vielleicht aufgrund der erforderlichen Kälte etwas eilig durchwandert hat, kann man sich im angrenzenden und beheizten gastronomischen Bereich bei Glühwein, Kaffee und Kuchen aufwärmen und danach gerne eine zweite Runde starten.

Rüdiger Wrobbel

(Bei Teilen des Textes war die Informationsbroschüre der Ausstellung hilfreich)


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Rubrik: Kultur
Ort: Gonsenheim
Tags: Eiswelt Altes Postlager Ice Carving Eisskulpturen Ausstellung Schneeskulpturen Carver Bildhauer Mainz Eis Schnee


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Rüdiger Wrobbel
Rüdiger Wrobbel
Standort: Gonsenheim
Beruf: Beamter i.R.
Anzahl Artikel: 79
Ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtteiltreff/Brotkorb Gonsenheim, ehrenamtlich Fotograf und Mitglied der ELSA-Redaktion. 2 feste Kolumnen,"Elsa-Animale" und "Else sieht die Welt". Texte oft satirisch. Aber auch Politik, Sport, Musik und Gesellschaft. Fotografieren auch als Hobby, am Liebsten Natur. Eine Ausstellung bisher. ”

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