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Dies & Das / Gonsenheim

Rüdiger Wrobbel - 04. Februar 2016 um 06:24

Kein Zocker-Zentrum an der Elsa

Leerstehende Läden sind nicht gut für ein Wohngebiet. Aber nicht alles, was sich ansiedeln will ist besser als Leerstand. Mehrere hundert Unterschriften gegen ein Wettbüro verdeutlichen das Verantwortungsbewusstsein der Gonsenheimer Bürger. Und sie werden nicht allein gelassen, denn an ihrer Seite zeigt Ortsvorsteherin Sabine Flegel Einsatz, genauso wie, parteiübergreifend, der Ortsvorstand und die Gonsenheimer Stadträte.

Vermutlich sind es nur wenige Dutzend asozial denkender Menschen, die durch Hochfrequenzspekulationen mit Lebensmitteln und Ressourcen, durch Wetten auf Preis- oder Kursschwankungen und Pleiten die Börse zum Spielcasino und Wettbüro machen und damit Millionen Menschen in den Hungertod treiben, zur Flucht zwingen oder Staaten in den Bankrott zwingen.

Ziel: Der ehemalige Schlecker-Markt Am Sportfeld
Ziel: Der ehemalige Schlecker-Markt Am Sportfeld

Das ganze Spiel global durch Steuerbefreiung subventioniert.

Der Blick auf diese zerstörerische Kraft von Wettgeschäften zeugt in jedem vernünftigen Menschen den Wunsch, die Kinder nicht in diese Richtung konditionieren zu lassen, indem sie ein Wettbüro direkt vor die eigene Haustüre gesetzt bekommen, gerade dorthin, wo sie ihre Freizeit verbringen. Nicht nur die Jugendlichen, auch die Kinder haben gezeigt, dass sie sich der Möglichkeiten der Wettspiele bewusst sind. Aber noch zeigen sie soziales Verhalten.

Die Gesetze und die Steuerpolitik zeigen, dass der Gesetzgeber seine Aufgaben nicht ernst nimmt, ebenso wenig wie den verantwortungsbewussten Bürger, da verwundert es nicht, dass er das Denkvermögen eines Kindes auf das Niveau einer Topfpflanze reduziert. Erst Jugendlichen ab 10 Jahren traut er zu, den Charakter und die Gefahren eines Wettbüros zu erkennen. Naiv wird übersehen, dass Kinder Fragen stellen, dass sie oft die Falschen fragen, sich in der Prägephase befinden und so schnell lernen, wie sie es nie wieder im Leben tun werden. Dass sich mehrere Kindertagesstätten in unmittelbarer Nähe der geplanten Zockerstelle befinden, ist für ihn daher bedeutungslos. Da hätten die gesetzgebenden Politiker und die Entscheiderin, ADD-Referentin Nadja Wierzejewski mal die Ausstellung „Glück“ im Stadtteiltreff besuchen sollen. Da hatten Kinder vielfältig zum Ausdruck gebracht, was für sie Glück bedeutet. Und das schnelle Geld durch zocken war auch bei den lieben Kleinen durchaus schon ein Thema. Wenngleich man den Kindern zugute halten muss, dass sie die Zockerei um eine soziale Komponente erweiterten. Auf die Frage, „Was bedeutet für dich Glück?“ stand auf mehreren Bildern die Antwort, „Wenn Du im Lotto gewinnst!“

Überhaupt, der Stadtteiltreff. Mit einer Angebotspalette vom Krabbelkind bis zum betagten Senior. Da trifft sich auch die Jugend. Die Schülerhilfe beispielsweise begleitet Jugendliche auch bis zum Abitur, der Musikunterricht spricht viele Jugendliche an, viele Jugendliche nutzen dort das Internet für Bewerbungen, Recherche für Schule und Ausbildung und Freizeitaktivität. Genau für diese Jugendlichen ist auch vor dem Gesetz dieses Wettbüro eine Gefährdung, ebenso wie für hunderte Jugendliche dieses großen Wohngebietes, die in diesem Umfeld ihre Freizeit gestalten.

Darüber hinaus würde ein weiterer Teil der Arbeit des Stadtteiltreffs in Frage gestellt. Das Wohngebiet um die „Elsa“ wurde einst, nicht ganz zu Unrecht, gemieden, der Ruf war ruiniert. Der Stadtteiltreff hat einen wichtigen Beitrag geleistet, dass sich die Wohnverhältnisse und das soziale Umfeld verbessert hat. Viele sind hierher zurückgezogen, ein beträchtlicher Teil, wenn nicht gar der größte Teil der Wohnungen wird von den Eigentümern selbst bewohnt, die Kriminalitätsrate liegt nach Polizeiangaben nahe der Null, kurz gesagt: Man wohnt gerne an diesem Ort. Niemand will diese Entwicklung jetzt wieder zurückdrehen. Die Initiative der ansässigen Geschäftsleute und die gefüllten Unterschriftslisten sprechen für sich.

Da ist es gut zu wissen, dass man Ortsvorsteherin Sabine Flegel auf seiner Seite hat, und mit ihr parteiübergreifend die Gonsenheimer Stadträte, bei dem Versuch, die Ansiedlung des Wettbüros doch noch zu verhindern.

Rüdiger Wrobbel


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Rubrik: Dies & Das
Ort: Gonsenheim
Tags: Wettbüro Zockerzentrum Gonsenheim ADD Jugendschutz Kinderschutz Zocken im Wohngebiet Wohnklima Wohnwert Spekulation


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Rüdiger Wrobbel
Rüdiger Wrobbel
Standort: Gonsenheim
Beruf: Beamter i.R.
Anzahl Artikel: 85
Ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtteiltreff und des Flüchtlingsnetzwerkes "Miteinander-Gonsenheim", ehrenamtlich Fotograf und Mitglied der ELSA-Redaktion. 2 feste Kolumnen,"Elsa-Animale" und "Else sieht die Welt". Texte oft satirisch. Aber auch Politik, Sport, Musik und Gesellschaft. Fotografieren auch als Hobby, am Liebsten Natur. Eine Ausstellung bisher. ”

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