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Kultur / Gonsenheim

Rüdiger Wrobbel - 04. Juli 2018 um 07:54

Singende Flammen

"One of us cannot be wrong" heißt die Klanginstallation, und tatsächlich liegt keiner falsch, auch wenn jeder etwas anderes hört, je nachdem, wo er sich im Raum befindet.Ein außergewöhnliches Kunstprojekt bereichert noch bis Ende Oktober die evangelische Kirche Gonsenheim.

Ein tiefer warmer Klang, fast ein Brummen, erfüllt seit dem 19. Mai den Kirchenraum der evangelischen Kirche auf der Breiten Straße, der sogenannten Inselkirche. Bei der Eröffnung der Installation lauschten die Gäste gebannt.

Minutenlang.

Und es war nicht etwa Organist Peter Paulnitz, der mit dem Finger auf der Tastatur eingenickt war. Der Ton kam von den zwei Glaszylindern mit Lichtern, die hinter dem Altar angebracht sind. Und dann tat sich noch etwas. In der ersten Sitzreihe kam Bewegung in eine junge Frau. Oder doch nicht? Doch. In betont langsamer Choreographie bewegt sich Gili Goverman vom Ensemble „tanzmainz“ des Staatstheaters auf den Altar zu und umtanzt ihn kunstvoll.

„One of us cannot be wrong“ nennt Professor Andreas Oldörp sein Werk. Der 1959 in Travemünde geborene Künstler war selbst anwesend und erläuterte seine Installation beim anschließenden Empfang. Singende Flammen, zwei Gasflammen in hohen Glassäulen, erzeugen diesen Ton, der in seiner Tiefe Körper und Seele in Vibration versetzen soll. Ein Ton, der sich verändert, sobald man sich selbst im Raum bewegt. Der Mensch muss sich darauf einlassen, selbst zum Resonanzkörper zu werden. Und so bewegen sich dann auch die Besucher in der Kirche, lauschen mal von hier und mal von dort.

Seit 1986 experimentiert Professor Oldörp mit Klanginstallationen, die räumlich variable Klanggewebe erzeugen und hatte bereits Ausstellungen in ganz Europa und in Übersee. Um ein paar zu nennen: „Requiem für eine Schlange“ in Kopenhagen, „Singende Flammen Bunker“ in Hamburg, „Le Nénuphar“ in Montreal, „L’éphémère“ in Paris und „im leeren raum“ in Luzern. Ständig zu erleben ist seine Installation „Über den Teichen“ am Waldskulpturenwerg bei Schmallenberg. Ein Klangteppich der die Geräusche des Waldes verbindet mit mystischen Lauten, erzeugt von einem Kreis hoher Kupferstelen, die nach dem Prinzip von Orgelpfeifen installiert sind.

Jetzt hat ihn Pfarrerin Dr. Angela Rinn nach Gonsenheim geholt. Bis zur Finissage am 30. Oktober ist die Installation zu den Gottesdienstzeiten und Samstagvormittags in der Inselkirche zu erleben. Dazu gibt es begleitende Veranstaltungen: Nach der Veranstaltung vom 12. Juni, „Geist und Klang“, Organist Peter Paulnitz im Dialog mit den singenden Flammen und dem Publikum folgt am 21. August „Tinnitus – Der Ton im Ohr“, Podiumsgespräch mit dem Arzt und Medizinjournalisten Dr. Dierk Heimann; am 18. September „Gott klingt in mir“, ein Abend mit geistlichen Übungen mit Pfarrer Andreas Nose; und am 16. Oktober „Der Nachklang der Reformation“, die Bedeutung der Musik für die Reformations- und Kirchengeschichte, ein Vortrag von Dr. Dr. hc Johannes Schilling. Alle Veranstaltungen, auch die Finissage am 30. Oktober, finden jeweils um 19:30 Uhr statt.

Rüdiger Wrobbel


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Über den Artikel


Rubrik: Kultur
Ort: Gonsenheim
Tags: Klanginstallation tanzmainz Andreas Oldörp Gili Goverman Gonsenheim Peter Paulnitz Klanggewebe Inselkirche Angela Rinn Andreas Nose Waldskulpturenweg One of us cannot be wrong Singende Flammen Über den Teichen Johannes Schilling


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Rüdiger Wrobbel
Rüdiger Wrobbel
Standort: Gonsenheim
Beruf: Beamter i.R.
Anzahl Artikel: 85
Ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtteiltreff und des Flüchtlingsnetzwerkes "Miteinander-Gonsenheim", ehrenamtlich Fotograf und Mitglied der ELSA-Redaktion. 2 feste Kolumnen,"Elsa-Animale" und "Else sieht die Welt". Texte oft satirisch. Aber auch Politik, Sport, Musik und Gesellschaft. Fotografieren auch als Hobby, am Liebsten Natur. Eine Ausstellung bisher. ”

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