Beiträge zu: Alle | Wählen
803
0
3
0
Artikel

Dies & Das / Mainz City

Rüdiger Wrobbel - 25. Juni 2017 um 09:28

Für eine Handvoll Gras

Hanf - eine vernachlässigte Nutzpflanze. Die extrem haltbaren Produkte aus seiner Faser haben wohl keinen Platz in der Wegwerfgesellschaft. Dass sie Dünger und Herbizide ersetzt, macht sie bei der Industrie auch nicht beliebter.

Vorsicht – Dieser Artikel ist nicht ganz THC-frei, also aus Sicht der Befürworter geschrieben. Denn weltweit an hunderten Orten, in Deutschland an 30 Orten gehen Menschen alljährlich auf die Straße, um sich für den legalen Verkauf von Cannabis einzusetzen.

Auch in Mainz fanden sich am 6.

Mai über 200 Teilnehmer organisiert von der Cannabis Initiative zum „Global Marijuana March“ zusammen.

„Keine Macht den Drogen“ – Dieser Slogan widerspricht nicht unbedingt der Forderung nach Legalisierung von Cannabis. Trotz Verbot ist die Macht ungebrochen, und legalisiert werden sollen ja auch nicht Crystal Meths, Kokain, Heroin und andere Opiate oder synthetische Drogen. Legalisiert werden sollen auch nicht Beschaffungskriminalität und Drogenschmuggel. Ganz im Gegenteil soll dem die Grundlage entzogen, der Konsum reguliert und der Jugendschutz gewährleistet werden. Erst recht nicht legalisiert werden soll die todbringende Verquickung des Drogen- und Waffenschmuggels. Aber halt, ruft das nicht eine starke Lobby auf den Plan? Kein Rüstungskonzern kann Interesse daran haben, diese Vertriebswege zu veröden. Schließlich sind dem offiziellen Rüstungsexport doch einige mehr oder weniger wirksame Beschränkungen auferlegt. Dann gibt’s da noch die Lobby der Pharma-Riesen. Die dürfte das größte Interesse haben, einer Legalisierung entgegenzuwirken.

Da sich immer mehr medizinische Einsatzgebiete des Cannabis auftun, ist die Attraktivität dieses Marktes unermesslich. Bei einigen Erkrankungen oder Symptomen ist die Wirksamkeit erwiesen, an anderen wird intensiv geforscht. Schmerz, Übelkeit, Erbrechen, Kachexie, multiple Sklerose, psychiatrische Syndrome wie Schlaf- und Angststörungen, ADHS, bipolare Störungen, endogene Depressionen, entzündliche Schmerzsyndrome und Autoimmunerkrankungen sind mögliche Einsatzgebiete, aber auch die Wirksamkeit bei einigen Krebserkrankungen ist in der Erforschung.

Bei einigen Erkrankungen darf nun auch Cannabis vom Arzt verschrieben werden, aber nur wenn es als Fertigarzneimittel zugelassen ist. Also über den Umweg der Pharma-Industrie und damit für einen Großteil der Patienten unbezahlbar. Damit werden Patienten, für die diese Freigabe gedacht ist wieder in die Illegalität abgedrängt, zu Dealern auf der Straße bei denen oft unsaubere Qualität angeboten wird, gestreckt mit den unglaublichsten Substanzen, wie z.B. Strychnin. Diese Streckmittel sind es dann auch, die zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. Das ließe sich vermeiden, und damit auch so manche finanzielle Belastungen im Gesundheitswesen.

Argumente gegen die Freigabe fallen sicher jedem genug ein. Aber die treffen vermutlich ebenso auf den frei verkäuflichen Alkohol zu. Dabei ist jetzt schon abzusehen, dass der medizinische Nutzen von Alkohol deutlich geringer ist. Und ob ein striktes Verbot hilfreich ist, lässt sich abschätzen, wenn man die Auswirkungen der Prohibition in den USA der 20er Jahre betrachtet.Das Ende der Prohibition hatte keine Steigerung (eher eine Senkung) des Alkoholmissbrauchs zur Folge, aber die Kriminalität sank drastisch.

So ist heute Hanf vielen, vor allem jungen Leuten nur durch seine missbräuchliche Verwendung als Droge bekannt. Dabei wussten schon die alten Griechen und Ägypter die Kleidung aus seiner Faser zu schätzen. Dass die Faser enormer Zugkraft gewachsen war, gleichzeitig extrem widerstandsfähig gegen Verschleiß, sogar gegen Salzwasser, machte sie bald unentbehrlich in der Seefahrt, für die Herstellung von Segeltuch und Seilen. Mitte des 20. Jahrhunderts geriet der Hanf aber ins Schussfeld der Chemie-Industrie. Schon DuPont ließ die Einführung der Kunstfaser durch Harry J. Anslingers Anti-Cannabis-Kampagne unterstützen. DuPont hatte früh erkannt, dass die Pflanze der Chemie-Industrie in vielerlei Hinsicht nicht gut tat. Sie ist nachwachsender Rohstoff, durch schnellen Wuchs und Beschattung des Bodens macht sie den Einsatz von Herbiziden unnötig, sie ist schädlingsresistent und darüber hinaus als Bodenverbesserer einsetzbar. Damit ist die Hanffaser auch der Baumwolle um Längen voraus. Baumwolle wächst nicht überall, stellt hohe Ansprüche an den Boden, hat hohen Wasserbedarf, ist anfällig für Schädlingsbefall, kurz gesagt, ist nicht umweltverträglich, hat ganz im Gegensatz zum Hanf eine erschreckend hohe Energiebilanz.

Wer also braucht in einer Wegwerfgesellschaft, die nur von wirtschaftlichem Wachstum bestimmt wird eine Pflanze, die eine Faser liefert von extremer Haltbarkeit, die nicht nur ohne chemische Hilfsmittel auskommt, sondern sie teilweise ersetzen kann, die vollständig nutzbar ist (auch nahrhafte Samen und wertvolles Speiseöl) und mehr Bio-Masse produziert als jede andere heimische Nutzpflanze? Traurig, dass die Pflanze, obwohl der Anbau etlicher Hanfsorten durch die EU genehmigt ist, so ein Schattendasein führt.

ACH JA, auch Johannes Gutenberg setzte auf die Haltbarkeit der Hanffaser. Schätzen Sie mal, welche Pflanze im Papier der Gutenbergbibel steckt.

Rüdiger Wrobbel


Beitrag melden

Bilder


Mehr zum Thema

  • Global Marijuana March in Mainz
    Demonstration zur Legalisierung von Cannabis
    Am 21. Mai findet um 15:00 Uhr am Bahnhofplatz in Mainz zum ersten Mal eine Demonstration im Rahmen des Global Marijuana Marchs (GMM) statt. An den weltweiten Aktionstagen gibt es Demonstrationen und Kundgebungen für die Legalisierung von Cannabis in hunderten Städten weltweit und über 30 Städten in Deutschland! Von Rostock bis München und von Köln bis Berlin gibt es in vielen Gegenden Deutschland
  • Global Marijuana March in Mainz
    Demonstration zur Legalisierung von Cannabis
    Am 06. Mai findet um 14:00 Uhr am Bahnhofplatz in Mainz zum zweiten Mal eine Demonstration im Rahmen des Global Marijuana Marchs statt. Die Cannabis Initiative rechnet mit etwa 500 Teilnehmern. Anlässlich dieser globalen Aktionsreihe gibt es Demonstrationen und Kundgebungen für die Legalisierung von Cannabis in hunderten Städten weltweit und 30 Städten in Deutschland! Von Rostock bis München und
  • Prävention und Aufklärung statt Abhängigkeit und Strafe Wie muss eine erfolgreiche Sucht- und Drogen...
    Die Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans MdB ist am 14. Oktober zu Gast in Mainz. Mechthild Dyckmanns spricht darüber, wie eine erfolgreiche Drogenpolitik aussehen muss.
    Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die Medizinische Gesellschaft Mainz e. V. laden zum Vortrag "Prävention und Aufklärung statt Abhängigkeit und Strafe - Wie muss eine erfolgreiche Sucht- und Drogenpolitik aussehen?" Als Referentin wurde die Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans MdB eingeladen.Die Bundesdrogenbeauftragte wird zunächst über aktuelle Entwicklungen im Bereich d
  • „Gesundbrunnen“ Badezimmer
    (TRD) Das Badezimmer gewinnt zunehmend an Popularität, wie die aktuelle forsa Studie, die die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) in Auftrag gegeben hat, belegt. Das Bad als Gesundbrunnen, hat das Zeug zum Markttrend zu avancieren. Da ein deutsches Normbad laut Studie mit einer durchschnittlichen Größe von 9,1 Quadratmeter auskommen muss, sind innovative Produktlösungen gefragt, die tradi

Kommentare (0)


Es wurden noch keine Kommentare hinterlassen.

Mainz macht mit

Eben entdeckt. Einfach aufgeschrieben. Gleich veröffentlicht. In der Mitmachzeitung. Von Mainzern für Mainzer. Zum Berichten. Zum Lesen. Zum Meinung machen. Zum Meinung bilden. Mainz macht mit.

Jetzt Mitmachen


Über den Artikel


Rubrik: Dies & Das
Ort: Mainz City
Tags: Hanf THC Marihuana Haschisch Drogen Cannabis Global Marijuana March Cannabis Initiative Schmerzbekämpfung Hanffaser Hanföl


Über den Autor


Rüdiger Wrobbel
Rüdiger Wrobbel
Standort: Gonsenheim
Beruf: Beamter i.R.
Anzahl Artikel: 81
Ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtteiltreff und des Flüchtlingsnetzwerkes "Miteinander-Gonsenheim", ehrenamtlich Fotograf und Mitglied der ELSA-Redaktion. 2 feste Kolumnen,"Elsa-Animale" und "Else sieht die Welt". Texte oft satirisch. Aber auch Politik, Sport, Musik und Gesellschaft. Fotografieren auch als Hobby, am Liebsten Natur. Eine Ausstellung bisher. ”

Weitere Artikel von diesem Autor



Veranstaltungskalender


November 2017

MoDiMiDoFrSaSo
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30